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MSP-Kompromittierung: Wie Angreifer 173 Microsoft-365-Tenants infiltrierten

🗓️ 11. Oktober 2026, 16:12 Uhr ✍️ Kuratiert von Sarah Lindner (Principal Cloud & Platform Architect) 📌 Quelle: The Hacker News
MSP-Kompromittierung: Wie Angreifer 173 Microsoft-365-Tenants infiltrierten

Ein kompromittierter ConnectWise-Account ermöglichte Angreifern Zugriff auf 173 Microsoft-365-Instanzen. Eine technische Analyse über CSP-Delegationen und Gegenmaßnahmen.

Anatomie eines Supply-Chain-Angriffs auf Cloud-Identitäten

Sicherheitsanalysten dokumentieren einen schwerwiegenden Zwischenfall im Ökosystem von Managed Service Providern (MSPs): Durch kompromittierte Zugangsdaten einer ConnectWise-Instanz gelang es nicht identifizierten Angreifern, sich unberechtigten Zugriff auf mindestens 173 Microsoft-365-Tenants von Mandanten zu verschaffen. Dieser Vorfall illustriert drastisch das inhärente Risiko delegierter Administrationsrechte (Delegated Administrative Privileges, DAP) sowie modernerer Granular Delegated Admin Privileges (GDAP), wenn vorgeschaltete RMM- (Remote Monitoring and Management) und PSA-Plattformen kompromittiert werden.

Vom Service-Desk-Account zur lateralen Tenant-Bewegung

Der Angriffsvektor beruhte primär auf gestohlenen oder unzureichend abgesicherten Zugangsdaten, die über Schnittstellen zu Microsofts Partner Center verfügten. In vielen MSP-Architekturen sind Service-Desk-Automatisierungen und Helpdesk-Lösungen wie ConnectWise ScreenConnect oder PSA direkt mit OAuth2-Enterprise-Applikationen im Azure AD (Entra ID) verknüpft. Fällt ein solches administratives Dienstkonto in die Hände unbefugter Akteure, vererben sich die Zugriffsrechte nahtlos auf die über die Partner-Beziehung angebundenen Kunden-Tenants. Angreifer nutzen diese Schnittstellen gezielt für Reconnaissance, das Auslesen von Global-Administrator-Rollen und die Extraktion von Mailbox-Inhalten via Microsoft Graph API.

# Beispiel zur Identifikation risikoreicher delegierter Berechtigungen via Microsoft Graph PowerShell
Connect-MgGraph -Scopes "DelegatedPermissionGrant.Read.All", "Application.Read.All"

# Auditierung aller delegierten OAuth2-Permissions in Entra ID
Get-MgServicePrincipal -Filter "appId eq 'connectwise-client-id-here'" |
  Select-Object DisplayName, AppId, ServicePrincipalType |
  ForEach-Object {
    Get-MgOauth2PermissionGrant -Filter "clientId eq '$($_.Id)'"
  }

Technologische Schwachstellen: Persistenz über GDAP und Graph API

Nach der initialen Authentifizierung etablieren Angreifer typischerweise Persistenzmechanismen, um auch bei Passwort-Resets oder Session-Revocations handlungsfähig zu bleiben. Dazu zählen:

  • Erstellung zusätzlicher App Registrations: Einschleusen von Enterprise Apps mit API-Berechtigungen wie Mail.ReadWrite oder User.ReadWrite.All, versehen mit langlebigen Client Secrets.
  • Bypass von Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA): Fehlende Conditional-Access-Policys auf Legacy-Partner-APIs oder fehlendes Phishing-resistentes FIDO2 ermöglichen Session-Hijacking via Adversary-in-the-Middle (AiTM)-Proxies.
  • Missbrauch des Service Management: Ausnutzen automatisierter Ticketing-Integrationen, um PowerShell-Befehle oder Exchange-Online-Transportregeln unbemerkt zu manipulieren.

Härtungsmethoden für Multi-Tenant-Architekturen

Um Kaskadeneffekte dieser Art effektiv einzudämmen, müssen Cloud-Architekten und IT-Sicherheitsverantwortliche das Prinzip der geringsten Berechtigungen (Least Privilege) strikt auf Partnerbeziehungen anwenden. Das bedeutet in der Praxis:

  • Vollständige Ablösung von DAP durch GDAP: Delegierte Volladministrationsrechte müssen terminiert und durch rollenbasierte, zeitlich limitierte GDAP-Zuweisungen ersetzt werden, die regelmäßigen Access Reviews unterliegen.
  • Entra Privileged Identity Management (PIM): Administrative Partner-Rollen dürfen niemals permanent aktiv sein, sondern erfordern Just-in-Time (JIT)-Aktivierungen inklusive Genehmigungsworkflow.
  • Conditional Access für Partner-IDs: Erzwingen von standortbezogenen Richtlinien, IP-Whitelisting für API-Aufrufe und obligatorischer Einsatz von MFA-Schlüsseln gemäß FIDO2/WebAuthn.
  • Tenant-übergreifendes SIEM-Monitoring: Zentralisierte Auswertung von Unified Audit Logs (UAL) via Azure Event Hubs oder Entra ID Diagnostic Settings zur Erkennung anomaler Massen-Logins über Partner Center-APIs.

Der Vorfall verdeutlicht unmissverständlich: Die Sicherheitsarchitektur eines MSP ist untrennbar mit dem Risikoprofil seiner Kunden verbunden. Ohne kontinuierliche Auditierung delegierter Schnittstellen und Zero-Trust-Prinzipien auf Identity-Ebene bleibt das Vertrauensverhältnis im Partner-Ökosystem ein primäres Ziel raffinierter Angriffsvektoren.

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SL
Redaktionelle Einordnung & Kuratierung
Sarah Lindner · Principal Cloud & Platform Architect

Fokus auf Cloud-Native-Infrastrukturen, Kubernetes im Hyperscale-Betrieb, Zero-Trust-Netzwerkarchitekturen und Site Reliability Engineering (SRE).

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